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Mehr Energie im Alltag

Ich habe mal einen Artikel gelesen mit dem Titel „Warum bin ich nur so schlapp?“ Das hat den Nagel auf den Kopf getroffen und mir die Augen geöffnet. Wenig später fiel mir das Buch „Salto Vitale“ von  Marion Grillparzer in die Hände und das Buch „Obst und Gemüse als Medizin“.

Bis zum wirklich bewussten Essen war es dann für mich noch ein langer Weg von etwa 15 Jahren. Aber die Erkenntnis ist: Ja, naturbelassenes Essen tut gut. ABER nicht jedem tut in jeder Situation dasselbe gut.

Normalerweise zeigt der Appetit an, was uns gut tut. Aber nur, wenn Essen kein Ablenkungsmechanismus ist. Denn sowohl Süßes, als auch scharfe, würzige Speisen lösen Glücksgefühle aus, und so greifen wir gern zu solchen Dingen, wann immer wir uns gestresst oder unwohl fühlen.

Der richtige Zeitpunkt

Ich persönlich finde es wichtig, immer dann zu essen, wenn man wirklich HUNGRIG ist – und nicht, wenn es „dran“ ist. Und sich dann auch richtig sattzuessen – und dann ohne Zwischensnacks bis zur nächsten Mahlzeit „durchzuhalten“. Es ist normalerweise KEIN Problem, zwischen den Mahlzeiten ein bisschen hungrig zu sein. Giulia Enders schreibt in dem Buch „Darm mit Charme“: Wenn der Magen knurrt, heißt das nur, dass er nun leer ist und saubergemacht wird. Es ist nicht nur nicht nötig, dann sofort etwas zu essen, sondern behindert auch den Körper bei der Selbstreinigung. (Dasselbe gilt normalerweise auch nach dem Sport!)

Wer morgens das Frühstück ein bisschen rausschieben kann (z.B. Zuhause-Arbeiter(innen) und am Wochende), sollte das tun – aber nur, wenn ihm dann nicht die Energie für den Tagesstart fehlt.

Abends vor dem Schlafen sollte nicht schwer gegessen werden, und vor allem darf nicht tagsüber für die Hauptmahlzeit „gehungert“ werden. Wer abends nicht unbedingt etwas braucht und trotzdem gut und erholsam schläft: umso besser! Der Körper braucht viel weniger Nahrung als wir gewohnt sind, ihm zuzuführen! Intervallfasten, also z.B. 16 Stunden nichts zu essen (vom Nachmittag bis zum Morgen oder vom Abend bis zum späten Vormittag), ist sehr populär geworden, weil der Körper sich damit besser von Stoffen befreien kann, die uns nicht gut tun. Aber auch hier gilt: Es müssen nicht 16 Stunden sein. Esst einfach, wann es für euch richtig ist.

Wie viel?

Gut ist, sich satt zu essen, aber aufzuhören, sobald die Sättigung BEGINNT (da ja das Essen noch nachsättigt). Um diesen Punkt zu erkennen, ist es natürlich wichtig, bewusst zu essen und sich nicht mit Fernsehen, Zeitung oder stressigen Gedanken von dem sinnlichen Erlebnis abzulenken.

Veganes Essen liegt meist nicht schwer im Magen. Wer trotzdem nach dem Essen müde ist, war es entweder schon vorher (dann ist ein Mittagsschlaf gut!) oder hat zu viel gegessen oder etwas, das er nicht vertragen hat.

Was?

Das ist die interessanteste Frage. Grundsätzlich gilt: So naturbelassen wie möglich! Also rohes, unverarbeitetes Bio-Gemüse und -Obst bevorzugt vor gekochtem, gewürztem und gebratenem Essen und Getreide. Ich habe es ausprobiert und bin mit Rohkost auf Dauer nicht so glücklich wie mit warmem Essen. Ich gönne mir sogar täglich ein warmes Frühstück, weil es mich erdet und Körper und Seele wärmt. Deshalb: Wer Lust auf warmes Essen hat, sollte es sich nicht schlechreden (lassen). Aber wer Rohkost mag und gut verträgt, tut sich damit auf jeden Fall etwas Gutes. Der Körper fühlt sich viel leichter an, und man fühlt sich richtig „befreit“… (Für Umstellung auf Rohkost gilt: Geht es langsam an und macht euch vorher schlau!)

Weißes Mehl, Zucker und hocherhitzte, minderwertige Fette gilt es zu vermeiden, ebenso stark verarbeitete Lebensmittel, die es natürlich „in vegan“ leider auch gibt. Beim Wurst-, Fleisch-, Käse- und Joghurtersatz geht die Qualität sehr auseinander!!! Wenn ich mich nach dem Verzehr fühle als müsste ich dringend Duschen gehen, weil meine Haut sich unangenehm anfühlt, steht auf der Packung meistens etwas drauf wie „extrudiertes Pflanzenprotein“ – das heißt, dass die Zutaten so stark verarbeitet wurden, dass kaum noch was Natürliches übrig ist. Vermutlich ist es trotzdem deutlich bekömmlicher als das „tierische Original“, aber nach dem erfolgreichen Umstieg ins vegane Leben bin ich dann wählerischer geworden – und habe auch mehr selbst gemacht.

Süßigkeiten – wenn überhaupt – am besten nach dem Mittagessen, da bringt es den Blutzuckerspiegel am wenigsten durcheinander.

Abends möglichst in den 4 (!) Stunden vor dem Schlafen keine Rohkost mehr essen, sondern leicht verdauliche Dinge. Hier bietet sich ein frühes Abendessen an oder eine gekochte Abendmahlzeit, die dann auch nicht so üppig sein muss.

Trinken sollte man – auch wenn wir das so gelernt haben! – zum Essen so wenig wie möglich, da es die Verdauungssäfte verdünnt und somit die Verdauung erschwert. Also am besten zwischen den Mahlzeiten ordentlich trinken und dazu nur wenig. 2-4 Liter am Tag je nach Jahreszeit sind eine gute Trinkmenge, natürlich ungesüßt und am besten auch ohne Kohlensäure und ohne oder mit wenig Fruchtsäure (das betrifft z.B. auch Früchtetee).

Je nach Typ kann ein Essen für den einen Energie liefern und dem anderen nehmen. Die Ayurvedische Küche und TCM geben hier gute Anregungen. Menschen, die ohnehin quirlig sind, essen meist nicht so gerne scharf, da dies zusätzlich anregend wirkt, und wer sich krank fühlt, greift oft intuitiv zu Lebensmitteln wie Melone und Ingwer, um die natürliche Ausleitung zu unterstützen.

Den Blutzuckerspiegel stabil halten

Ebenfalls Marion Grillparzer hat vor etwa 15 Jahren den Begriff „GLYX-Diät“ geprägt und bekannt gemacht. Kurz gesagt geht es darum, den Blutzuckerspiegel – den glykämischen Index, kurz GlyX – über den Tag stabil zu halten, um weder überfüllt noch ausgehungert zu sein. Dafür geeignet sind Lebensmittel, die vom Körper LANGSAM verwertet werden und somit LANGSAM ins Blut übergehen. Also: Obst, Gemüse, Reis, Hülsenfrüchte, Dinkelnudeln, Vollkornprodukte, hochwertige Öle, Nüsse.

Traubenzucker, klassische Süßigkeiten und tierische Produkte kann der Körper schneller verwerten, benötigt dafür aber auch viel Kapazität (Stichwort Fresskoma bzw. Mittagstief) und verlangt dann aber auch bald wieder Nachschub.

Und konkret?

Probiert aus, was für euch funktioniert. Probiert vor allem immer mal neues Obst und Gemüse aus, damit euer Körper lernt, welche Nährstoffe er aus welcher Zutat ziehen kann und euch bei späteren Einkäufen gut „beraten“ kann. Wenn ihr mögt, macht euch morgens oder mittags als Vorspeise einen Smoothie aus Obst und Wildkräutern (Brennnesseln, Giersch & Co. mit Banane, Apfel, Himbeeren). Esst euch morgens richtig satt, damit ihr keinen Snack braucht bis mittags. Versucht, die Mahlzeiten so zu legen, dass es für euch funktioniert. Trinkt bei Appetit erstmal. Klares Wasser, vielleicht mit einem Spritzer Zitrone, leckere Tees. Wir (in der Wohlstandsgesellschaft) haben uns daran gewöhnt, dass sich unser Bauch immer „voll“ anfühlen soll. Dabei sind wir viel klarer, wenn er nur „halbvoll“ ist und wir trotzdem genug Energie haben. Wir sind aber von Nachkriegsgenerationen großgezogen worden und müssen erst mit der Angst umgehen lernen, es könne „nicht genug da sein“ für uns.

 

Veränderung funktioniert nur selten „auf Knopfdruck“. Lasst euch Zeit und findet heraus, was für euch gut ist! Viel Freude dabei!

9. September 2020

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